Kometen sind launische Himmelskörper. Sie kommen aus der Tiefe des Universums, können einen gigantischen Schweif entwickeln und verschwinden wieder in den unendlichen Weiten des Weltalls. Selbst wenn sie periodisch wiederkehren, wie P/2005 Y2 (McNaught), können sie unberechenbar sei. Ein Grund mehr sie im Auge zu behalten. Hier der Bericht einer Verfolgungsjagd der besonderen Art von Levin Belli und Paul Breitenstein:

P/2005 Y2 wurde am 28. 8. 2005 von Robert H. McNaught am 0,5m - Siding Spring Survey in Australien entdeckt. Der Komet konnte vier Jahre lang bis Ende 2009 von verschiedenen Teleskopen auf seinem Rückzug ins All verfolgt werden. Berechnungen ergaben, dass der Komet auf einer Bahn zwischen Mars und Saturn in knapp 16 Jahren die Sonne umrundet. Dabei darf die Gravitationskraft gerade der großen Planeten Jupiter und Saturn nicht vernachlässigt werden. So wurde vom Minor Planet Center (MPC) die Rückkehr von P/2005 Y2 im Februar 2019 mit einer Helligkeit von 18.8mag vorhergesagt. Trotzdem wurde er von keinem der vielen Roboterteleskope auf der Erde gesichtet.

Erst am 10. März hatte Erwin Schwab aus Egelbach/Deutschland Erfolg mit der 1m – ESA Optical Ground Station (J04) auf Teneriffa. Mit tatsächlichen 22mag war das Objekt allerdings äußerst lichtschwach, insbesondere da es sich gerade im Umfeld einiger sehr heller Sterne bewegte. Eine unabhängige Bestätigung mit einem leistungsstärkeren Teleskop war gefragt. So bat uns Erwin, mit dem wir bereits bei der Wiederentdeckung des Asteroiden 2018 AM4 im Dezember 2018 zusammengearbeitet hatten, um Unterstützung.

Entgegen unseren Erwartungen war dies kein Kinderspiel. Neun Aufträge von jeweils einer halben Stunde waren erforderlich, von denen drei Faukles Telescopes North (FTN) ausgeführt wurden. Gründe waren u.a. der Totalausfall von Faulkes Telescope South (FTS) auf Grund eines Blitzeinschlags, starke Auslastung des FTN und schlechtes Wetter auf dem Haleakala. Bei unseren ersten beiden Fehlversuchen mussten wir lernen, dass die Bahndaten über dermaßen lange Zeiträume von fast zehn Jahren sowohl vom FTN also auch vom online-Service find_orb (https://www.projectpluto.com/ephem.htm ) fehlinterpretiert werden, so dass wir um mehr als 10 Bogenminuten vorbeigeschossen hatten. Erst beim 3. Versuch am 18. März mit aktuellen Raumkoordinaten vom MPC landeten wir einen Treffer. Jeweils drei Bilder von 180s (560s Gesamtbelichtung) mussten übereinander gelegt werden, um das bewegte Objekt mit 22mag gut ausmessen zu können.

Unsere Bemühungen wurden belohnt mit einem Minor Planet Circular vom 18.03.2019: https://minorplanetcenter.net/mpec/K19/K19F27.html

Außerdem wurden alle Kometenforscher mit dem offiziellen, elektronischen Telegramm No. 4613 der Internationalen Astronomischen Union (IAU) informiert, dass P/2005 Y2 wieder beobachtbar ist, wiederentdeckt von E. Schwab, L. Belli et. al

Wir danken dem Team vom Faulkes Telescope Project, insbesondere Paul Roche und Lothar Kurtze, sowie Erwin Schab für diese sehr lehrreiche Erfahrung.

Bilder: © Levin Belli; Komet P/2018 Y2 am 18. März 2018